Kriminalität: Von Wunschbildern und der harten Realität

Wieso umfassen die „Liebesdienste“ der CDU auf dem Hardtberg schönfärberische Darstellungen über die lokale Kriminalität?

Der alljährliche bundesdeutsche Großstädtevergleich in puncto Kriminalität fand am 24. November 2010 im General-Anzeiger Bonn Erwähnung. Die Bundesstadt befindet sich weiterhin im unteren Drittel der Rangfolge, was die Anzahl von Straftaten sowie deren Aufklärungsquote anbelangt. Von 38 Städten mit über 200.000 Einwohnern belegt Bonn nur einen mageren Platz 29. Dass die Stadt mit 13.114 Straftaten auf 100.000 Einwohner im Jahr 2009 etwas unterhalb der Statistik der nördlichen Nachbarmetropole Köln mit 13.617 Delikten liegt, ist wahrlich kein Ruhmesblatt.

Ins Bild passend fand am 22. November eine Veranstaltung der CDU Hardtberg zum Thema „Wie sicher ist unser Stadtbezirk?“ statt. Neben Polizeipräsident Wolfgang Albers, Parteimitgliedern und besorgten Bürgern nahmen auch einige Nonkonformisten der Bürgerbewegung pro NRW, die mit einem Bezirksverordneten im Westen der Bundesstadt kommunalpolitisch verankert ist, teil. Es wurde erstaunlich offen in der Runde gesprochen. Der christdemokratische Landtagsparlamentarier und Stadtverordnete Benedikt Hauser räumte ein, auf dem Hardtberg seien zur Eindämmung und Prävention der Kriminalität in der Vergangenheit Fehler begangen worden, die es nun auszumerzen gelte. Eine pro-NRW-Aktivistin fragte Albers: „Wie viele Jugendrichter gibt es in Bonn?“ In seiner ausweichenden Antwort äußerte der oberste Ordnungshüter der Stadt, er wisse es nicht. Im Jahr 2008 waren es exakt 3,5 Stellen. Selbstverständlich viel zu wenig, um das „Neuköllner Modell“ der kürzlich verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig anwenden zu können.

Im Anschluss an die Gesprächsrunde ließ der CDU-Stadtbezirksvorsitzende Christos Katzidis auf der Netzpräsenz seiner Partei folgendes verlautbaren: „Brüser Berg als auch Medinghoven sind keine Kriminalitätsbrennpunkte“, was die leidtragenden Anwohner allerdings ganz anders sehen. Diesem Einwand begegnet man mit einer inhaltsleeren Floskel: „Leider wird das subjektive Sicherheitsempfinden im Wesentlichen von der Medienberichterstattung geprägt.“ Die Kriminalität in den sozialen Brennpunkten der beiden vorgenannten Stadtteile sei laut Albers größtenteils von der Interaktion zwischen Banden geprägt, daher müssten „gerade ältere Menschen… sich nicht unsicher fühlen“. Diesen Worten des Polizeipräsidenten ist etwa genauso viel Wahrheitsgehalt beizumessen wie der von ihm und Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch vor genau einem Jahr erarbeiteten Version vom Überfall auf den pro-NRW-Stadtverordneten Nico Ernst.

„Als Teilnehmer an der Veranstaltung meiner Ex-Partei und als ein Bürger des Bezirks Hardtberg war ich ein kleines Bisschen positiv überrascht, wie offen dort gesprochen worden ist. Selbst meine Parteifreunde und ich kamen zu Wort“,

rekapituliert der Bonner pro-NRW-Kreisvorsitzende Detlev Schwarz seine Eindrücke.

„Verwunderlich finde ich aber das von der CDU in die Öffentlichkeit hinausgetragene Bild: ‚Keine Panik auf der Titanic!’. Der Städtevergleich zeigt doch mehr als deutlich, dass die Gesamtstadt Probleme hat, die nicht zu leugnen sind. Nur wir von der Bürgerbewegung pro NRW weisen in Bonn unnachgiebig auf die viel zu hohe Kriminalität hin und fordern die gleichen Verhältnisse wie in den süddeutschen Städten, beispielsweise in München, das souverän die Liste anführt. Ich frage mich, wie die Altparteien weiterhin Sympathien im Volk genießen wollen, wenn sie sich immer wieder des Mittels der Verbreitung von Halbwahrheiten und Lügen bedienen?“